Nur ein kleines Stück Papier

©Silke Bachmann

Nur ein kleines Stück Papier

Ich gebe es zu. Ich bin ein bisschen altmodisch. Manchmal zumindest. Bis zu unserem Umzug stand bei uns im Wohnzimmer tatsächlich noch ein Röhrenfernseher. Kaum zu glauben, oder? Wir haben tatsächlich erst seit einem Jahr einen modernen Fernseher. Mittlerweile sogar mit Netflix. Da muss ich mich aber noch ein bisschen reinfinden. Ich gehöre auch noch der Generation an, die noch Bedienungsanleitungen liest. Bei mir klingelt morgens noch ein richtiger Wecker, nicht das Smartphone. Und wenn ich mit der Bahn fahre, wühle ich bei der Ticketkontrolle in meiner Handtasche nach dem Ausdruck des Online Tickets.

Next Level

Manchmal zwingen einen die äußeren Umstände, das nächste Level der Digitalisierung zu beschreiten. Dann muss man mit, ob man will oder nicht. So erging es mir letztens mit meiner Bank. Ich saß abends schön gemütlich am Computer (natürlich ganz altmodisch am Schreibtisch am PC) und wollte ein paar Überweisungen erledigen, die sich angesammelt hatten. Meine iTAN Liste, die ich immer wohl behütet in der Schreibtischschublade gehortet habe, lag schon bereit. TANs braucht man immer für das Online Banking. Sie sorgen dafür, dass niemand unberechtigt Transkationen auf einem fremden Konto tätigen kann. Die TAN (das steht für Transaktionsnummer) ist ein Einmalkennwort, das mein Konto vor unerlaubten Transaktionen schützt. TAN-Verfahren funktionieren dabei wie eine Unterschrift, die man unter die Transaktion setzt, um sie zu bestätigen. Jahrelang habe ich alle sicherlich nett gemeinten Hinweise meiner Bank doch Abschied von meiner iTAN-Liste zu nehmen, ignoriert und an meinem kleinen Stück Papier festgehalten.

Rien ne va plus

Nun aber haben sie mich erwischt. Nichts geht mehr. Mit meiner iTAN Liste komme ich nicht weiter. Kennen Sie diese Liste noch? Das ist die nummerierte Papier-Liste mit TAN-Codes, die die Banken früher zur Verfügung gestellt haben. Für die Auftragserteilung wird eine Nummer aus der Liste abgefragt. Die der Nummer zugehörige TAN muss dann im Online-Banking eingegeben werden. Aufgrund neuer EU-Vorgaben darf die iTAN ab dem 14. September 2019 im Zahlungsverkehr nun aber nicht mehr genutzt werden. Stattdessen soll ich jetzt eine neue App installieren. Angeblich gab es dazu Anfang des Jahres auch ein Schreiben mit einem Aktivierungsbrief. Ich würde ja fast behaupten, dass ich diesen Brief nie bekommen habe, aber irgendwie vermute ich, dass in diesem Fall meine Bank Recht hat. Also gehe ich auf die Suche und durchforste alle Papierstapel, die sich auf dem Esstisch, im Arbeitszimmer und in der Schreibtischschublade angesammelt haben. Ich finde allesmögliche, aber kein Schreiben meiner Bank. Ein kurzer Anruf klärt das zum Glück schnell, mir wird ein neuer Aktivierungsbrief zugesendet. Mein Optiker muss nun also leider ein paar Tage länger auf sein Geld für meine letzten Kontaktlinsen warten.

Abendliche Nachhilfestunde

Solange ich auf den Brief warten muss, lerne ich ein bisschen dazu: Das push/appTAN-Verfahren ist ein neues und komfortables TAN-Verfahren. Der Kunde erhält die TAN innerhalb der TAN-App seiner Bank, die es in einer Desktop- und einer Mobile-Variante gibt. Sobald man eine push/appTAN anfordert, muss man einen 6-stelligen PIN-Code eingeben. Die TAN wird daraufhin generiert und automatisch in die Auftragsmaske des Onlinebankings übertragen. Alle Aufträge können damit bequem von zuhause oder unterwegs aus getätigt werden. Toll ist auch, dass man im Gegensatz zu anderen TAN-Verfahren kein zusätzliches Gerät benötigt und dass das neue Verfahren vollkommen kostenfrei ist. Dass es die höchsten Sicherheitsstandards erfüllt, gefällt mir sehr. Damit habe ich ein gutes Gefühl.

Ein paar Tage später ist der Brief dann da. Trotz aller anfänglichen Bedenken muss ich zugeben, dass die neue App zügig auf dem Smartphone installiert ist. Die neuen Abläufe sind absolut selbsterklärend und schnell durchgeführt. Im Nu kann ich die Überweisung an den Optiker meines Vertrauens freigeben.

Mit der alten iTAN Liste kann mein Kind nun Papierflieger bauen. Das kann er tatsächlich noch, auch wenn Nintendo & Co hoch im Kurs stehen in seiner Generation. Was die Technik angeht, ist er mir meilenweit voraus. Aber Papierflieger machen immer noch Spaß! 🙂

Ein Kommentar zu “Nur ein kleines Stück Papier”

  1. Avatar Norbert Stodolka sagt:

    Wie sehen ich später aus?

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