Reisebericht: Besuch der Duluti School

Reisebericht: Besuch der Duluti School

Im Rahmen meiner Afrikareise im September 2016 habe ich mit meiner Schwester die von der Degussa Bank geförderte Duluti Secondary School in Arusha/Tansania besucht und im Gästeraum der Schule übernachtet. Zusätzlich hatten wir zwei Tage lang die Gelegenheit, mit einigen deutschen pensionierten Professoren und Lehrern, die für den gemeinnützigen Verein PROBONO ein Lehrerausbildungsprogramm in Tansania unterstützen, über ihr Projekt, Schulen, Land und Kultur zu sprechen. Es waren eindrucksvolle drei Tage.

Arusha liegt am Fuß des circa 4.600 Meter hohen Mount Meru. Obwohl es dort oft über längere Perioden nicht regnet – zum Zeitpunkt unseres Besuches seit mehr als zwei Monaten nicht mehr –, ist die Gegend um Arusha eine der am intensivsten genutzten landwirtschaftlichen Flächen in Tansania. Das ermöglicht der hohe Berg, an dessen Ostflanke sich fast ständig Nebel und Wolken bilden. Bäche führen die Feuchtigkeit ins Tal und ermöglichen „blühende“ Landschaften mit bis zu drei Ernten pro Jahr.

Duluti ist ein Stadtteil der sehr weitläufigen „Stadt“ Arusha. Die nach dem Stadtteil benannte Schule ist ein Internat, das derzeit 478 Schüler beherbergt, die von 29 Lehrern betreut werden.

Bewerbungen von Jugendlichen aus dem ganzen Land

Die Schule umfasst eine Secondary School (Klasse 8 – 11), derzeit circa 380 Schüler, und die High School (Klasse 12 + 13). Die normale Klassenstärke in der Duluti School beträgt 45 Schüler. Man erzählte uns, in Tansania seien durchaus auch Klassenstärken von 70 bis 80 Schülern anzutreffen. Da die Schule einen guten Ruf hat, bewerben sich Jugendliche aus dem ganzen Land. Anhand eines von der Schule in Eigenregie durchgeführten Eingangstests werden die besten 150 pro Jahrgang aufgenommen. Religion, Geschlecht und ethnische Zugehörigkeit spielen dabei nach Auskunft des Schuldirektors keine Rolle. Insgesamt besuchen mehr Jungen als Mädchen die Schule. Circa zwölf Wochen im Jahr sind Ferien, und die Kinder sind dann zu Hause bei ihren Familien.

Die Mensa © Schröck

Die Mensa © Schröck

Da in Tansania Schulpfl icht nur bis zur Klasse 7 besteht, ist der Schulbesuch einer Secondary oder High School freiwillig, wird aber auch nicht vom Staat unterstützt. Das in der Duluti School zu zahlende Schulgeld beträgt circa 260 Euro pro Kind und Jahr, was sich bei einem durchschnittlichen Monatseinkommen von 40 Euro nur besser gestellte Familien leisten können, und das auch meist nicht für alle Kinder. Neben dem Schulgeld müssen die Eltern die Schulkleidung und teilweise Schulbücher bezahlen. Auf den Kindern lastet ein gewaltiger Druck, denn meist hat der gesamte Clan das Schulgeld gemeinsam aufgebracht und erwartet nach abgeschlossener Ausbildung „angemessene“ Rückzahlung für die Clanmitglieder.

Lehrer verdienen zwischen 150 und 300 Euro im Monat

Aus dem Schulgeld werden Lehrer (je nach Qualifikation 150 – 300 Euro pro Monat), Essen und der Unterhalt der Räumlichkeiten finanziert. Ziel der Schule ist, die Schülerzahl auf 700 zu erweitern. Das Schulgelände bietet noch hinreichend Platz für die dann erforderlichen weiteren Gebäude. Schulträger ist eine christliche Bruderschaft, vier Pater leben auf dem Gelände und gehören dem Lehrerkollegium an. Pater Kristantus ist Schuldirektor. Er stellte uns dem Kollegium vor und führte uns durch die Schule. Danach konnten wir uns frei auf dem Schulgelände bewegen, mit den Schülern sprechen und am Unterricht teilnehmen.

Unterrichtet werden zwölf Fächer: Englisch, Kisuaheli, Mathe, Physik, Chemie, Biologie, Computer, Buchhaltung, Business, Geschichte, Politik und Geografie. Besonders schwierig sei es, qualifizierte Lehrer für Business zu bekommen, abgeschwächt gilt dies auch für die naturwissenschaftlichen Fächer. Oft helfen pensionierte Lehrer aus.

Keine Spannungen zwischen den Religionen

Derzeit stellen Katholiken 49 % der Schüler, 37 % sind Lutheraner, 7 % Anglikaner, 6 % Moslems und 1 % hängen sonstigen oder keiner Religion an. In Tansania sind 50 % aller Bewohner Moslems, allerdings sind im Regierungsbezirk Arusha die Christen die mit Abstand stärkste Glaubensgemeinschaft. Zwischen den Religionsgemeinschaften soll es keine großen Spannungen geben. Der derzeitige Präsident Tansanias ist ein Moslem.

Mit der Partnerschule, dem Lessinggymnasium in Frankfurt am Main, werden unter anderem gemeinsame Unterrichtsprojekte durchgeführt (zum Beispiel Beschreibungen der jeweiligen Gesellschaft und Kultur), und es gibt regelmäßig gegenseitige Besuche kleiner Gruppen.

Hausversammlung der Jungs © Schröck

Hausversammlung der Jungs © Schröck

Am meisten beeindruckt haben uns Tagespensum und Lebensbedingungen der Schüler. Täglicher Stundenplan (Mo. – Fr.) der Jugendlichen (Aufnahme in Secondary School mit 13 – 15 Jahren):

05:30h – Aufstehen
06:00h- Frühstück in der Mensa
06:30h – Zimmer und Haus aufräumen, Badbenutzung nur in Schichten möglich
08:00h – Unterricht, einmal 20 Minuten Pause
13:00h – Lunch in der Mensa
13:30h – Unterricht bis 15 bzw. für die Älteren bis 16 Uhr
16:00h – Zeit für Hausversammlungen, Sport, spezielle Studien, Wäschewaschen etc.
17:30h – Abendessen in der Mensa
18:00h – Singen (super!)/Beten/Religionsunterricht in der jeweiligen Religionsgruppe
18.30h bis 22.00h – Hausaufgaben und beaufsichtigtes eigenständiges Lernen im Klassenraum bzw. in der Bibliothek; einige Lehrer beaufsichtigen und stehen für Fragen zur Verfügung

Viele Tansanier senken die Lebenshaltungskosten durch Selbstversorgung. Das gilt auch für die Schule. Auf dem Schulgelände werden Gemüse und Bananen angebaut und Nutztiere (Fleisch, Fisch, Eier, Milch) gehalten. Zu den Aufgaben der Schüler gehört, bei den landwirtschaftlichen Aktivitäten mitzuhelfen. Elektronische Geräte wie Handys, Radios und Fernseher sind auf dem Schulgelände nicht gestattet. Das Verlassen des Schulgeländes ist ohne besondere Erlaubnis nicht möglich. Kurzhaarschnitt ist an allen Schulen für Mädchen und Jungen Pflicht. Make-up ist untersagt.

Großer Erfolgsdruck

Das Mädchenwohnheim ist ein karger Betonbau mit 17 Schlafräumen. Die Räume haben keine Türen, keinen Bodenbelag, die Wände der Zimmer sind aus Belüftungsgründen nicht bis zur Decke hochgezogen. In jedem der knapp 15 Quadratmeter großen Zimmer leben acht Mädchen. Für die 136 Hausbewohnerinnen stehen insgesamt 20 Waschbecken, acht Duschen und zwölf Toilettenkabinen ohne Türen zur Verfügung.

Ein Zimmer des Mädchenwohnheims © Schröck

Ein Zimmer des Mädchenwohnheims © Schröck

Auch wenn die Schüler unter für uns nicht akzeptabel erscheinenden Bedingungen leben, haben sie dennoch eine hohe Identifikation mit der Schule und scheinen die Möglichkeit der Schulbildung als große Chance für sich zu begreifen. Wie groß der Erfolgsdruck seitens der Familienclans ist, wird schnell deutlich, wenn man mit den Jugendlichen spricht. Ihr vorrangiges Anliegen war, ob wir bei der Gewährung von Stipendien behilfl ich sein könnten. Das Engagement der Schüler und Lehrer, denen wir begegnet sind, hat uns beeindruckt. Auch die Idee der Partnerschaft zwischen jeweils einer deutschen und einer tansanischen Schule hat uns voll überzeugt. Die Degussa Bank leistet mit ihrem jährlichen Förderbetrag einen sinnvollen Beitrag zur Entwicklung in Tansania.

InfoBox

Globales WorksiteSponsoring

Mit dem WorksiteSponsoring-Programm unterstützt die Degussa Bank seit 2008 internationale Hilfsprojekte. Die Wirtschaft bewegt sich im globalen Kontext, deshalb ist es umso wichtiger, sich dieser Tatsache zu stellen und in vielen Regionen der Welt Gutes zu tun. Wir fördern jedes Jahr nachhaltige Hilfsprojekte gemeinnütziger deutscher Vereine in Entwicklungsländern, um die Lebenschancen und den Alltag der Menschen vor Ort zu verbessern. Viele unserer Kollegen besuchen die Unternehmungen regelmäßig vor Ort und berichten anschließend von den Fortschritten und ihren persönlichen Eindrücken - so wie Herr Reinhard Schröck.

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