dpa-Newsreader

Air-Berlin-Übernahme: Wettbewerbshüter sieht Lufthansa-Pläne kritisch (17.08.2017 05:42)

Die Pläne der Lufthansa <DE0008232125> für eine teilweise Übernahme der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin <GB00B128C026> stoßen auf Gegenwind von Wettbewerbshütern. „Air Berlin und Lufthansa sind auf vielen Flugstrecken direkte Konkurrenten“, sagte der Chef der Monopolkommission, Achim Wambach, der Zeitung „Rheinische Post“ (Donnerstag). Während Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) zuvor gesagt hatte, er sehe keine kartellrechtlichen Bedenken, muss Lufthansa laut Wambach für eine Genehmigung der Übernahme „mit strengen Bedingungen und Auflagen rechnen“. Dazu zähle der Verzicht auf weite Teile der begehrten Landerechte von Air Berlin.

Kritik übte der Kommissionschef auch an der Hilfe der Bundesregierung für Air Berlin in Höhe von 150 Millionen Euro. Außenminister Sigmar Gabriel verteidigte den Einsatz hingegen. „Wir haben einen Brückenkredit gebilligt für Air Berlin, weil sonst pro Tag 80 000 Menschen in der Urlaubszeit an Flughäfen gestanden hätten“, sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. „Das hätte die Größenordnung einer nationalen Krise angenommen. Ich bin deshalb froh, dass wir das so schnell hinbekommen haben.“

Zugleich betonte Gabriel: „Das bedeutet nicht, dass die Bundesregierung mit Millionenbürgschaften für Altschulden und anderes einsteigt. Wir haben erklärt, dass wir das nicht machen.“ Zuvor hatte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Hilfe verteidigt, Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) wies Kritik daran in der „Passauer Neuen Presse“ (Donnerstag) ebenfalls zurück. Monopolkommissionschef Wambach hingegen warnte: „Der 150-Millionen-Kredit des Staates könnte beihilfenrechtlich kritisch sein.“

Der Billigflieger Ryanair <IE00B1GKF381> erneuerte seine schwere Kritik an dem Kredit. „Unserer Meinung nach ist es offensichtlich, dass die Bundesregierung mit Lufthansa Hand in Hand daran arbeitet, Konkurrenz für Deutschland fernzuhalten“, sagte Marketingchef Kenny Jacobs der „Bild“-Zeitung. „Die Tatsache, dass Verkehrsminister Alexander Dobrindt betont, dass hier keine kartellrechtlichen Verstöße vorliegen, bestätigt, dass dies ein abgekartetes Spiel ist.“

Air Berlin verhandelt nach eigenen Angaben mit Lufthansa und weiteren Interessenten über einen Verkauf ihrer Teile. Unter anderem soll Ryanair-Konkurrent Easyjet <GB00B7KR2P84> an Teilen von Air Berlin interessiert sein. Auch die Thomas-Cook-Tochter Condor hat Interesse angemeldet.

Dobrindt warb indirekt für eine deutsche Lösung. Die Abwicklung der insolventen Fluglinie sei eine gute Möglichkeit für die deutsche Luftfahrt, sagte der Minister der „Bild“-Zeitung. „Wir brauchen starke deutsche Flughäfen und Luftverkehrsunternehmen. Jetzt sollte die Chance ergriffen werden, die 140 Maschinen, Kapazitäten und Mitarbeiter von Air Berlin strategisch aufzustellen, um die Stellung der deutschen Luftverkehrswirtschaft im internationalen Markt zu stärken“, sagte Dobrindt.

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann ist zuversichtlich, viele der rund 8600 Arbeitsplätze retten zu können. „Ich glaube, trotz Insolvenz mein Ziel zu erreichen und einen Großteil der Jobs zu sichern. Das kriegen wir hin“, sagte Winkelmann der Wochenzeitung „Die Zeit“ (Donnerstag). Im Gespräch mit „Bild“ und „B.Z.“ sagte er aber auch: „Aus heutiger Sicht ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die Marke Air Berlin verschwindet.“

Wirtschaftsministerin Zypries bescheinigte der Firmenleitung „Fehler in der Unternehmensstrategie“. Man habe sich nicht entscheiden können, ob man Ferien-Flieger oder Geschäftsreisen-Anbieter sein wolle. „Es fehlte sicher eine klare Strategie“, sagte sie der „Passauer Neuen Presse“.

Kanzlerin Merkel bezeichnete die Gefahr als relativ gering, dass am Ende der Steuerzahler die Rettung von Air Berlin bezahlen müsse. „Sonst hätten wir diesen Überbrückungskredit oder Brückenkredit gar nicht geben dürfen.“ Air Berlin stelle noch Werte dar, etwa über deren Landerechte.

Allerdings wächst in der Union die Kritik am Vorgehen der Bundesregierung. „Das ist ein ordnungspolitischer Sündenfall“, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Joachim Pfeiffer, der „Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“ (Donnerstag). Die staatliche Unterstützung dürfe nicht zur Dauerhilfe werden. Der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Reiner Holznagel, sagte, die Landerechte der Fluggesellschaft müssten als Pfand für die Steuerzahler dienen.

Verbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD) sprach sich dafür aus, EU-weit alle Fluggesellschaften zu einer Insolvenzabsicherung zu verpflichten. „Weder die Reisenden noch die Steuerzahler dürfen am Ende die Kosten dafür tragen, wenn ihre Fluggesellschaft während einer Reise in die Insolvenz muss“, sagte er dem „Handelsblatt“.

Das Insolvenzverfahren für Air Berlin beginnt nach Erwartung des Unternehmens am 1. November.


Euro steigt in Richtung 1,18 Dollar (17.08.2017 08:19)

Der Euro hat am Donnerstag an seine Gewinne vom Vortag angeknüpft. Am Morgen stieg die Gemeinschaftswährung bis auf 1,1790 US-Dollar und kostete damit etwas mehr als am späten Mittwochabend. Der Dollar stand auf breiter Front unter Druck. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwochnachmittag noch auf 1,1710 Dollar festgesetzt.

Belastet wurde der amerikanische Dollar gleich von zwei Seiten. Für Druck sorgte einerseits, dass Donald Trump nach dem Rückzug mehrerer Unternehmenschefs zwei Beratergremien auflöste. Die Hoffnung auf eine wirtschaftsfreundliche Politik sei damit ein Stück weit dahin, kommentierten die Devisenexperten von der Commerzbank. Trump werde zunehmend zum Belastungsfaktor für den Dollar.

Darüber hinaus kam Belastung von Seiten der US-Geldpolitik. Wie das am Mittwochabend veröffentlichte Sitzungprotokoll der amerikanischen Notenbank Fed zeigte, gibt es unter den Zentralbankern eine große Debatte über die ungewöhnlich schwache Inflation. Einige Notenbanker ziehen demnach sogar altbewährte Prognosemethoden der Fed in Zweifel. Die verhaltene Teuerung gilt als Hauptgrund für den sehr moderaten Zinsanhebungskurs der Fed.


Trotz EZB-Geldschwemme: Inflation in der Eurozone bleibt niedrig (17.08.2017 11:35)

Die Inflation in der Eurozone ist im Juli trotz des billigen Geldes der EZB relativ schwach geblieben. Wie im Vormonat seien die Verbraucherpreise im Jahresvergleich um 1,3 Prozent gestiegen, teilte das Statistikamt Eurostat am Donnerstag in Luxemburg nach einer zweiten Schätzung mit. Analysten hatten mit der Bestätigung einer ersten Schätzung gerechnet. Damit verharrte die Teuerung auf dem niedrigsten Wert in diesem Jahr.

Allerdings stieg die Kernteuerung, die schwankungsanfällige Komponenten wie Energie und Nahrungsmittel ausschließt, leicht um 0,1 Punkte auf 1,2 Prozent. Auch hier bestätigte Eurostat wie erwartet die erste Schätzung. Die Kerninflation gilt als die verlässlichere Größe zur Abschätzung der Preisentwicklung. Deshalb hat sie eine große Bedeutung für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie strebt für den Euroraum eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent an und versucht das Ziel mit extrem niedrigen Zinsen und einem milliardenschweren Kaufprogramm von Anleihen zu erreichen.

Spürbar teurer als ein Jahr zuvor waren im Juli laut Eurostat Energie (plus 2,2 Prozent) sowie Lebensmittel (plus 1,4 Prozent) und Dienstleistungen (plus 1,6 Prozent). Deutlich schwächer stiegen die Preise für Industriegüter (plus 0,5 Prozent).


Dax holt erst einmal Luft (17.08.2017 10:05)

Der deutsche Aktienmarkt ist am Donnerstag nach seiner jüngsten Erholungsrally etwas zögerlicher in den Handel gestartet. Vor allem der Dax nahm sich eine kleine Verschnaufpause, nachdem er in den vergangenen drei Handelstagen mehr als 2 Prozent zugelegt hatte. Gegen Ende der ersten Handelsstunde gab der deutsche Leitindex moderat um 0,13 Prozent auf 12 248,46 Punkte nach.

Kein Rückenwind kam dabei von den US-Börsen. An der Wall Street ließ das veröffentlichte Sitzungsprotokoll der US-Notenbank Fed die Investoren über den künftigen Zinspfad im Unklaren. Im Fokus standen derweil aber auch US-Präsident Donald Trump und sein zunehmend angespanntes Verhältnis zu Wirtschaftsvertretern. «Immer mehr Anleger zweifeln nun daran, dass der US-Präsident seine Reformpolitik durchsetzen kann», schrieb daraufhin die Postbank in einem Kommentar.

Die deutschen Indexkollegen schlugen sich derweil besser: Der MDax der mittelgroßen Werte schaffte es zuletzt mit 0,08 Prozent ins Plus auf 24 985,31 Punkte und der Technologiewerte-Index TecDax stieg um 0,12 Prozent auf 2270,05 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 jedoch gab in ähnlichem Maße nach wie der Dax.

Das am Mittwochabend veröffentlichte Sitzungsprotokoll der Fed zeigte, dass es unter den Zentralbankern eine große Debatte über die ungewöhnlich schwache Inflation gibt. Laut Christiane von Berg von der BayernLB hat es deutlich gemacht, «dass die aktuelle Inflationsschwäche zunehmend als Problem gesehen wird.» Der künftige Zinspfad bleibe daraufhin unklar, fügte sie hinzu. Die verhaltene Teuerung gilt als Hauptgrund für einen sehr moderaten Zinsanhebungskurs der Fed.

Im Tagesverlauf stehen mit dem Philly-Fed-Index sowie Wasserstandsmeldungen aus der US-Industrie noch wichtige Wirtschaftsdaten aus den USA auf der Agenda, die dem Markt neue Impulse verleihen könnten.

Auf Unternehmensseite blieb die Nachrichtenlage äußerst dünn. In Dax und TecDax knüpften einige Aktien an ihre Rally vom Vortag an: RWE stiegen im Leitindex um gut 1 Prozent und überboten so ihren höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren. Im TecDax gehen Evotec mit einem Aufschlag von rund 3 Prozent weiter durch die Decke. Bei 15,52 Euro erreichten sie ihren höchsten Stand seit 16 Jahren. Berenberg-Analystin Klara Fernandes hatte zuvor ihr Kursziel für die Biotech-Aktien auf 16 Euro nach oben geschraubt.

Zur Schwäche neigten hingegen die Finanzwerte, was Händler mit den eher moderater gewordenen Zinsaussichten in den USA begründeten. Der Sektor hatte seit Mitte 2016 deutlich von gestiegener Fantasie profitiert, weil höhere Zinsen grundsätzlich positiv für das Alltagsgeschäft der Banken sind. Am Donnerstag nun ging es aber europaweit nach unten. Titel der Deutschen Bank waren im Dax mit einem Minus von 0,75 Prozent unter den größten Verlierern.


ROUNDUP/Trump-Kritik und Fed-Protokoll schwächen US-Dollar (17.08.2017 10:18)

Anhaltende politische Querelen rund um US-Präsident Donald Trump und sinkende Zinserhöhungserwartungen mit Blick auf die US-Notenbank Fed haben den US-Dollar deutlich unter Druck gesetzt. Seit dem Vorabend bis zum Donnerstagmorgen legte der Euro im Gegenzug um fast ein Prozent zu. Die Renditen von US-Staatsanleihen gerieten unter Druck und der Goldpreis legte kräftig zu.

Trump schlägt nach seiner Gleichsetzung von rassistischen Gewalttätern und Gegendemonstranten in den USA eine Welle der Kritik entgegen. Nachdem sich mehrere Konzernchefs aus zwei Beratergremien Trumps zurückgezogen hatten, löste der US-Präsident diese am Mittwoch auf. Seither gab der Dollar deutlich nach und ließ den Euro im Gegenzug fast bis auf 1,18 Dollar klettern. Trump werde zunehmend zum Belastungsfaktor für den Dollar, schreibt Thu Lan Nguyen, Devisenexpertin bei der Commerzbank. Hoffnungen auf eine unternehmerfreundliche Politik seien ein Stück weit dahin. Stattdessen hätten Trumps zahlreiche gezielte Angriffe auf Konzerne gezeigt, dass er in unternehmerische Entscheidungen eingreifen wolle.

‚NÄCHSTER ZINSSCHRITT NUR IN FERNE ERKENNBAR‘

Am Mittwochabend folgte dann der nächste Dämpfer für den Dollar: Wie aus dem veröffentlichten Sitzungsprotokoll zur jüngsten Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed hervorgeht, haben die Währungshüter intensiv über die schwache Preisentwicklung in den USA diskutiert. Zwar ging die Mehrheit von ihnen davon aus, dass das Inflationsziel von zwei Prozent mittelfristig erreicht wird. Viele von ihnen sahen aber vielmehr eine strukturelle Inflationsschwäche und einen fehlenden Zusammenhang zwischen der Entwicklung am Arbeitsmarkt einerseits und der Teuerung andererseits. An den Finanzmärkten wurde dies als Signal gewertet, dass die Fed bei der weiteren Straffung ihrer Geldpolitik eher vorsichtig vorgehen wird.

„Wenngleich der Ausblick für das Wirtschaftswachstum und den Arbeitsmarkt vergleichsweise positiv ausfielen sowie vor Risiken für die Finanzstabilität gewarnt wurde, lassen sich weitere Zinsschritte unterm Strich nur in der Ferne erkennen“, schreibt Daniel Winkler, Experte beim Bankhaus Metzler, zu dem Fed-Protokoll. Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinsanhebung in diesem Jahr nach den bisherigen vier Zinsschritten seit Ende 2015 wird derzeit an den Finanzmärkten mit unter 50 Prozent eingepreist.

GELDPOLITIK BLEIBT IM FOKUS

Die Aussicht auf weiter anhaltende niedrige Zinsen brachte neben dem Dollar auch die Renditen von US-Staatspapieren unter Druck. Auch auf deutsche Papiere färbte dies etwas ab. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel am Donnerstagmorgen nach Handelsstart um gut einen Basispunkt auf 0,43 Prozent. Unterdessen bekam der Goldpreis deutlichen Auftrieb. Seit Mittwochabend bis Donnerstagmorgen legte der Preis für eine Feinunze (etwa 31 Gramm) des Edelmetalls um über 10 Dollar bis auf 1290 Dollar zu.

Im weiteren Tagesverlauf dürfte die Geldpolitik im Fokus bleiben, allerdings mit Blick auf die Europäische Zentralbank (EZB). Am Mittwoch hatte ein Medienbericht für Aufsehen gesorgt, wonach eine mit Spannung erwartete Rede von EZB-Präsident Mario Draghi auf der Notenbanktagung in Jackson Hole vermutlich wenig Neues bringt. Deshalb dürften Anleger am Donnerstagmittag verstärkt auf das EZB-Sitzungsprotokoll achten. Dirk Gojny, Experte bei der National-Bank rechnet aber mit wenig Konkretem, weil die EZB nicht das Risiko von Fehlinterpretationen durch Anleger eingehen werde.